Das Wochenende und besonders der Sonntag Morgen ist meine persönliche Zeitungszeit. Das ist ein wenig spießig, aber ich finde es immer wieder erstaunlich was mir unter der Woche an Nachrichten alles so entgeht. Ich pack dann sonntags nach dem Frühstück meinen Nachwuchs in den Kinderwagen, laufe durch die Stadt bis zum Hauptbahnhof und wähle im dortigen PresseCenter alles aus, was ein vielversprechendes Cover hat.
Die Auswahl variiert zwischen 4 bis 5 Zeitschriften, Tageszeitungen und Magazinen. Mir ist dabei wichtig das die Mischung stimmt. Quasi eine ausgewogenen mentale Ernährung. Zum einem kriegt man dadurch über die Zeit eine sehr breite Abdeckung an Meinungen und Trends und wie bei der Körperernährung darf man auch mal was ungesundes, wenn man ansonsten gesund lebt. Heißt im Klartext: Wenn man nur genügend andere Magazine liest darf man hin und wieder auch die BILD am Sonntag.
Aber die war heute eh nicht dabei. Dabei waren: die COMPUTERWOCHE (7/2008), Business Spotlight (2/2008), Newsweek Special Edition | Issues 2008 – Can America get back on top, NEON (3/2008), Psychologie Heute (3/2008 – Ein seltenes Magazin in meiner Auswahl, aber einem der Hauptthemen: „Grundeinkommen. Eine gute Idee — oder aller Laster Anfang?“ konnte ich nicht widerstehen.) und The Economist (Feb 16-22/2008).
Normalerweise nehme ich nicht immer gleich sechs Zeitungen mit, aber Newsweek und The Economist versprachen detaillierte Backgroundinformationen zur amerikanischen Gesamtlage, den Wahlen und speziell Barak Obama (The Economist – But Could He Deliver?). Jetzt habe ich eine Meinung zu Obama, Clinton und dem amerikanischen Wahlkampf; habe nebenbei ein Foto von Rowan Williams (seines Zeichens Erzbischof von Canterbury) gesehen und festgestellt, daß der furchtbar alt geworden ist und kenne jetzt die 222 besten Songs aller Zeiten (nach Meinung von Nokia und NEON – die Hälfte davon kannte ich noch nicht einmal dem Titel nach).
Der Artikel, der mich aber wirklich interessierte und der Grund für den Kauf der COMPUTERWOCHE war, hieß „Und ewig nervt das Call-Center“. Fazit: Der Artikel beschreibt sehr treffend die Lage vieler Callcenter, identifiziert das Problem (Niedrige Löhne zu Lasten der Qualität und der Kundenzufriedenheit) und wärmt eine Menge alter Klischees auf. Ich las den Artikel zu Ende mit dem wohligen Gefühl das die Welt schlecht ist, ich aber nicht als einziger betroffen bin und es anderen noch viel schlechter geht und es leider keine brauchbare Lösung gibt.
Da kann man eh nur die Zeitung weglegen und einen Kaffee trinken gehen.